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Ratgeber · Ausbildung

Sonderfahrten im Führerschein erklärt: Überland, Autobahn, Nacht und Kosten in Berlin

Daniel Haag · Aktualisiert 22.10.2026 · 7 Min. Lesezeit
Für Klasse B sind 12 Sonderfahrten à 45 Minuten Pflicht: 5 Überland, 4 Autobahn und 3 bei Dämmerung oder Dunkelheit. Für A1, A2 und A gilt dieselbe Zahl, für BE sind es 5. In Berlin kostet eine Sonderfahrt Klasse B im Median 62,11 €, knapp 6 € mehr als eine normale Fahrstunde (56,25 €). Alle 12 zusammen kosten damit rund 745 €. Die Reform will die feste Anzahl streichen, beschlossen ist sie noch nicht.

Sonderfahrten: Was ist das eigentlich?

Sonderfahrten sind Pflichtfahrten in der Fahrschule, die du zusätzlich zu den normalen Übungsstunden machen musst. Offiziell heißen sie "besondere Ausbildungsfahrten" und sind in § 5 und Anlage 4 der Fahrschüler-Ausbildungsordnung (FahrSchAusbO) geregelt. Jede Einheit dauert 45 Minuten. Für den Autoführerschein Klasse B sind es 12 Stück:

Ohne diese 12 Fahrten bestätigt dir die Fahrschule nicht, dass deine Ausbildung vollständig ist, und du kommst nicht zur praktischen Prüfung. Wichtig: Sonderfahrten ersetzen keine Übungsstunden. Wie viele normale Fahrstunden du darüber hinaus brauchst, hängt von dir ab, eine gesetzliche Mindestzahl gibt es nicht.

Wie viele Sonderfahrten brauchst du in welcher Klasse?

KlasseÜberlandAutobahnDämmerung/DunkelheitGesamt
B (auch BF17, Automatik, B197)54312
A1, A2, A (Ersterwerb)54312
Aufstieg A1 auf A2 oder A2 auf A vor Ablauf von 2 Jahren3216
Aufstieg nach mindestens 2 Jahren Vorbesitz000keine
BE (Anhänger)3115
AM (Roller), Mofa000keine
B96, B196000keine, nur Schulung

Quelle: Anlage 4 FahrSchAusbO und die Übersicht des ADAC. Hast du schon einen Führerschein und machst zum Beispiel Motorrad dazu, bleiben die 12 Sonderfahrten trotzdem Pflicht. Weniger wird es nur beim Aufstieg innerhalb der Motorradklassen. Mehr zu den einzelnen Klassen findest du in Motorradführerschein Berlin Kosten und Anhängerführerschein.

Überlandfahrt: Was passiert da?

Die Überlandfahrt findet laut Anlage 4 auf Bundes- oder Landstraßen statt. Mindestens eine davon muss am Stück zwei Einheiten à 45 Minuten dauern, also 90 Minuten. Viele Berliner Schulen buchen die Überlandfahrten als Paket, zum Beispiel 225 Minuten für alle fünf.

Von Berlin aus geht es meist raus nach Brandenburg. Typische Inhalte:

Für viele Berliner Fahrschüler ist das die erste Fahrt aus der Stadt raus. Genau das ist der Sinn: In der Prüfung kann der Prüfer auch außerorts fahren lassen, und nach der Prüfung fährst du allein zum Baggersee oder zu Verwandten aufs Land.

Autobahnfahrt: Auffahren, Spurwechsel, Abstand

Die Autobahnfahrten finden auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen statt, die getrennte Richtungsfahrbahnen und mindestens zwei Fahrstreifen pro Richtung haben. Auch hier ist eine Fahrt von mindestens 2 × 45 Minuten am Stück vorgeschrieben. Und: Soweit möglich soll mindestens eine Einheit auf Abschnitten ohne Tempolimit oder mit einem Limit von mindestens 120 km/h stattfinden.

Inhalte sind Auffahren über den Beschleunigungsstreifen, Spurwechsel mit Schulterblick, Abstand bei hohem Tempo, Überholen, Abfahren und das Verhalten an Autobahnkreuzen und Baustellen.

Berlin-Besonderheit: Auf den Berliner Stadtautobahnen wie der A100 gelten überwiegend Tempolimits deutlich unter 120 km/h. Für die schnelle Einheit fahren viele Schulen deshalb raus auf den Berliner Ring oder auf die Autobahnen in Brandenburg. Das kostet Anfahrtszeit, und die berechnen manche Schulen extra.

In unseren Preisdaten sieht man das deutlich. Einige Beispiele laut Websites der Schulen (Stand Oktober 2026):

Frag beim Vergleich also immer, ob die Anfahrt zur Autobahn im Preis steckt. Sonst sind die 4 Autobahnfahrten am Ende eher 5.

Nachtfahrt: Fahren bei Dämmerung und Dunkelheit

Die drei Nachtfahrten heißen offiziell Schulung bei Dämmerung oder Dunkelheit. Dämmerung reicht also, es muss nicht tiefe Nacht sein. Laut Anlage 4 soll mindestens die Hälfte davon auf Autobahnen, Bundes- oder Landstraßen stattfinden, der Rest kann in der Stadt sein.

Du übst unter anderem:

In Berlin ist der Zeitpunkt der größte Unterschied zwischen Sommer und Winter. Im Dezember wird es schon gegen 16 Uhr dunkel, im Juni erst gegen 21:30 Uhr. Im Winter lassen sich die Nachtfahrten deshalb bequem am frühen Abend erledigen, im Sommer musst du spät ran. Das kann einen späteren Termin rechtfertigen, ist aber kein Grund, die Ausbildung zu verschieben.

Was kosten Sonderfahrten in Berlin?

Fahrschulen dürfen für Sonderfahrten einen eigenen Preis verlangen, und die meisten tun das. So sieht es in Berlin aus (Fahrwahl-Auswertung, Preise je 45 Minuten, Stand Oktober 2026):

KlasseMedian FahrstundeMedian SonderfahrtAufschlagAlle Pflichtfahrten
B (Schaltwagen)56,25 €62,11 €+5,86 €12 × = ca. 745 €
B Automatik57,94 €65,00 €+7,06 €12 × = 780 €
A263,00 €70,00 €+7,00 €12 × = 840 €
A62,75 €70,00 €+7,25 €12 × = 840 €
BE65,00 €70,00 €+5,00 €5 × = 350 €

Für Klasse B haben wir bei 181 Schulen beide Preise. Schaut man Schule für Schule, ist eine Sonderfahrt im Median rund 9 % teurer als eine normale Fahrstunde. 21 Schulen verlangen für beides dasselbe, 4 sind bei Sonderfahrten sogar günstiger. Die Spanne reicht von 36,67 € bis 84 € pro Sonderfahrt. Für alle 12 zahlst du damit zwischen ca. 440 € und gut 1.000 €.

Der ADAC nennt als Faustregel, dass eine Sonderfahrt höchstens das 1,5-fache einer Fahrstunde kosten sollte. Daran halten sich in unseren Daten alle Berliner Schulen, der höchste Aufschlag liegt bei gut 40 %. Für den Gesamtpreis sind Sonderfahrten trotzdem ein großer Posten: Bei 30 Fahrstunden machen sie knapp ein Drittel der Fahrtkosten aus. Den kompletten Preis mit allen Posten rechnet unser Preisvergleich aus, die ganze Kostenaufstellung steht in Führerschein Kosten Berlin.

Wann kommen die Sonderfahrten in der Ausbildung?

Nicht am Anfang. Laut § 5 FahrSchAusbO soll bei Klasse B und A1 (und bei A2 oder A ohne Vorbesitz) die Grundausbildung abgeschlossen sein, bevor die Sonderfahrten beginnen. Bei anderen Klassen sind sie gegen Ende der praktischen Ausbildung vorgesehen. Du musst also erst sicher im Stadtverkehr fahren, bevor es auf die Autobahn geht.

In der Praxis sieht der Ablauf bei Klasse B meist so aus:

  1. Grundausbildung: Bedienung, Anfahren, Schalten, Lenken, erste Fahrten in ruhigen Straßen.
  2. Stadtverkehr: Vorfahrt, Kreuzungen, Spurwechsel, Straßenbahnen, Radverkehr. Hier verbringst du in Berlin die meiste Zeit.
  3. Sonderfahrten: Überland, Autobahn, Dunkelheit, oft im letzten Drittel der Ausbildung.
  4. Prüfungsvorbereitung: Grundfahraufgaben, Prüfungsstrecken, Testfahrt mit dem Fahrlehrer.

Wenn du dich in den Sonderfahrten noch unsicher fühlst, sag es. Dann folgen ein paar normale Übungsstunden, bevor du zur Prüfung gehst. Wie die Prüfung selbst abläuft, steht in Praktische Prüfung Berlin.

Reform: Fällt die feste Zahl an Sonderfahrten weg?

Ja, das ist geplant, aber noch nicht beschlossen. Laut Gesetzentwurf der Bundesregierung (Kabinettsbeschluss vom 20. Mai 2026) soll es künftig keine Vorgabe mehr über die Anzahl der Sonderfahrten geben. Überland, Autobahn und Dunkelheit bleiben als Pflichtinhalte. Wie viele Stunden du dafür brauchst, soll der Fahrlehrer nach deinen Fähigkeiten entscheiden. In Medienberichten, etwa beim ZDF, war von nur noch drei Pflichtfahrten die Rede, je eine pro Art.

Unsere Einschätzung: Wer jetzt anfängt, macht die 12 Sonderfahrten. Weniger Pflichtfahrten heißt außerdem nicht automatisch weniger Stunden. Ein Fahrlehrer, der dich ohne Autobahnerfahrung zur Prüfung schickt, geht ein Risiko ein, und viele werden weiterhin mehrere Fahrten pro Art einplanen. Der ADAC rät ausdrücklich davon ab, die Ausbildung wegen der Reform aufzuschieben.

Tipps: So holst du mehr aus den Sonderfahrten

Eine Schule mit fairen Preisen für Fahrstunden und Sonderfahrten findest du in der Liste der Berliner Fahrschulen. Über Fahrwahl meldest du dich kostenlos an und bekommst 25 € Startbonus.

Häufige Fragen

Wie viele Sonderfahrten braucht man für Klasse B?

12 Sonderfahrten à 45 Minuten: 5 Überlandfahrten, 4 Autobahnfahrten und 3 Fahrten bei Dämmerung oder Dunkelheit. Das gilt auch für BF17 und Automatik.

Was kostet eine Sonderfahrt in Berlin?

Für Klasse B im Median 62,11 € pro 45 Minuten, die Spanne reicht von ca. 37 bis 84 €. Alle 12 Sonderfahrten kosten im Median rund 745 €.

Wie lange dauert eine Sonderfahrt?

Eine Einheit dauert 45 Minuten. Bei Überland und Autobahn ist je mindestens eine Fahrt mit zwei Einheiten am Stück vorgeschrieben, also 90 Minuten.

Muss die Nachtfahrt wirklich nachts sein?

Nein. Vorgeschrieben ist eine Schulung bei Dämmerung oder Dunkelheit. Im Berliner Winter geht das schon am frühen Abend.

Braucht man für den Motorradführerschein Sonderfahrten?

Ja, für A1, A2 und A beim Ersterwerb ebenfalls 12: 5 Überland, 4 Autobahn, 3 Dunkelheit. Beim Aufstieg nach mindestens zwei Jahren Vorbesitz entfallen sie.

Fallen die Sonderfahrten mit der Reform weg?

Nicht ganz. Geplant ist, dass die feste Anzahl entfällt, Überland, Autobahn und Dunkelheit bleiben aber Pflicht. Beschlossen ist die Reform noch nicht, ein Start ist frühestens Anfang 2027 vorgesehen.

Wann macht man die Sonderfahrten?

Erst nach der Grundausbildung, meist im letzten Drittel der praktischen Ausbildung, wenn du im Stadtverkehr schon sicher fährst.